1. Stadt Wien
  2. Freizeit
Mehr Freizeit
Artikel teilen
Kommentieren
Spiele Text: Michael Neichl

Mittelerde: Mordors Schatten Test

Lange ist es her, dass ein Lizenzspiel rund um Tolkiens Herr der Ringe Universum Fans begeistern konnte. Die Entwickler von Monolith versuchen nun mit dem storytechnisch zwischen Herr der Ringe und der Hobbit spielenden Abenteuer wieder frischen Wind hineinzubringen. Ob das gelungen ist, oder die Gameplaymischung aus bekannten Spielen nur wie ein lauer Aufguss wirkt, erfahrt ihr in unserem Test.

© Stadt-Wien.at |

Eine Geschichte von Blut, Schuld und Sühne

Ihr seid Talion, Waldläufer und Wächter einer Festung in Mordor, welches noch nicht durch den dunklen Herrscher Sauron komplett in den Händen von Orcs und Uruks liegt. Ebendiese überfallen nach einem kurzen aber stilistisch und atmosphärisch tollen Einstieg, in dem man mehr über Talion und seine Familie erfährt, die Festung. Sie töten Frau und Sohn, während Talion selbst der erlösende Tod vorerst verwehrt bleibt. Ein mysteriöser Geist, dessen Geschichte und Herkunft im Laufe der Geschichte aufgedeckt wird, bietet ihm die Möglichkeit als geisterhafte Gestalt Rache an der Schwarzen Hand Saurons, die für die Ermordung seiner Liebsten verantwortlich ist, zu nehmen.

Besser gut geklaut, als schlecht erfunden

Viel Langeweile kann angesichts des Gameplays auch nicht aufkommen. Die aus Batman bekannte Kampfmechanik von attackieren, blocken, ausweichen, betäuben und Distanzangriffen funktioniert tadellos und erfordert das genau richtige Maß an Konzentration und Übung. Ist man zu Beginn mit drei, vier Uruks noch etwas überfordert, ist es später umso motivierender locker 20 auf einmal aus dem Weg zu räumen. Wer hingegen lieber „sauber“ und leise vorankommen will, kann sich mit Hilfe des sehr gut implementierten Systems von schleichen und meucheln, welches zusammen mit den Kletterpassagen stark an Assassin’s Creed erinnert, durch ein Lager von Orcs kämpfen, ohne ein einziges Mal entdeckt zu werden. Zahlreiche Features helfen hierbei das Prinzip spannend zu halten. Da wäre zunächst der Skilltree. Zwar sind die auswählbaren Skills überschaubar, dafür verleiht jede neu erreichte Stufe ein echtes Gefühl der Verbesserung, da jede Fähigkeit das Kampfgeschehen massiv beeinflussen kann. Zudem lassen sich die drei Waffen Dolch, Schwert und Bogen durch diverse Runen upgraden. Um quasi den perfekt upgegradeten Talion spielen zu können, muss man Nebenmissionen erfüllen, Symbole und Artefakte sammeln, die allesamt die Geschichte und das Universum von Mittelerde erweitern. Ein, wie wir finden, hervorragender Bonus für Fans.

Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

Die Orc Hierarchie

Das große Alleinstellungsmerkmal von „Mittelerde: Mordors Schatten“ ist das sogenannte Nemesis-System. Im Hauptmenü seht ihr auf einer Karte die hierarchische Ordnung der Orcs. Im Laufe der Story geht es darum die fünf Häuptlinge eines Gebiets entweder umzubringen, oder sie später gegen ihren Willen auf eure Seite zu ziehen. Unter ihnen befinden sich 18 Hauptmänner, die gleichzeitig auch als Leibwachen der Häuptlinge dienen. Dies sorgt für zahlreiche Taktiken und Variationen des Spielverlaufs und es steht dem Spieler völlig frei, wie oder in welcher Reihenfolge er Saurons Armee  dezimiert. Beispielsweise kann man sich einem Häuptling direkt stellen, muss dann aber in Kauf nehmen, dass seine Verstärkung zur Hilfe kommen wird. Alternativ kann man auch zuerst die Leibgarde töten oder, nachdem man in der Story weit genug fortgeschritten ist, Hauptmänner auf seine Seite ziehen und dazu bringen ihre Häuptlinge zu verraten. Unter den Uruks herrschen zudem stetig Machtkämpfe in die man sich einmischen kann, aber nicht muss. Man kann auch abwarten und zusehen wie sie sich gegenseitig abschlachten, was sie aber auch zeitgleich mächtiger macht. Das geht alles irrsinnig leicht von der Hand, wenn auch gegen Ende etwas zu leicht. Tatsache ist, gerade wenn man fleißig Artefakte sammelt und mehrere Nebenmissionen erfüllt wird man schnell zu einer unaufhaltbaren Kombomaschine.

Mordor sah noch nie so gut aus

Die für uns vielleicht größte Überraschung war die Grafik. Gerade dadurch, dass Mittelerde: Mordors Schatten sowohl für neue, als auch alte Konsolengeneration entwickelt wurde, hatten wir in Bezug auf die Präsentation und Darstellung keinen besonders hohen Erwartungen. Umso mehr waren wir von den Socken angesichts der detailreichen Texturen und Landschaften Mordors, hier wollen wir auch kurz auf unseren Videomitschnitt verweisen. Egal ob in kleinen Orc-Lagern, in von Ghulen bewohnten Höhlen oder den riesigen Festungen der Uruks, überall kommt pure Herr der Ringe Atmosphäre auf. Auch der Detailgrad der Gegner hat uns ein ums andere Mal verblüfft. Kein Hauptmann gleicht dem anderen, jeder hat seinen ganz eigenen Look und im Close-Up kann man ihre vom Krieg zerrütteten Gesichter bis aufs kleinste Detail wahrnehmen. Genial ist zudem, dass sobald man einen Kampf gegen einen Orc verliert, dieser in der Ork-Hierarchie befördert wird und intelligenter Weise darauf Bezug nimmt, wenn ihr ihn ein zweites Mal zur Strecke bringen wollt.
Auch die Mimik sämtlicher Charaktere passt wie die Faust aufs Auge. So hübsch wie es ist, so technisch sauber ist das Spiel obendrein! Auch bei einer anstürmenden Armee von 20-30 Orcs geriet unsere Version für die Xbox-One nicht einmal ins Ruckeln oder Stocken. Abgerundet wird die Präsentation von einer hervorragenden, jede Situation angepassten orchestralen Musik. Auch die Soundkulisse kann gerade bei den teils extrem blutigen Exekutionen punkten. Dies sei übrigens gesondert erwähnt: Mittelerde: Mordors Schatten ist extrem blutig und spart nicht an teils gewalttätigen Exzessen! Wer also kein Freund von mitunter schwer überzogener Gewalt ist, sollte hier klar die Finger davon lassen.

Fazit

Mittelerde: Mordors Schatten macht enorm Spaß. Das aus Batman entnommene Kampfsystem, gemischt mit den Kletter- und Schleichpassagen aus Assassins Creed, wurde auch nach knapp 30 Stunden nie langweilig. Durch die motivierenden Rollenspielelemente, die durch und durch hervorragende Präsentation und das innovative Nemesis-System, blieb bei uns nicht viel Grund zum Meckern. Durch die teils sehr blutig ausfallenden Gewalteinlagen ist das Spiel zwar vielleicht nicht für Jedermann und in den letzten Spielabschnitten ist man mitunter zu mächtig. Dennoch waren wir voll und ganz zufrieden und können den neuesten Titel von Warner Bros. Entertainment sowohl Herr der Ringe Fans ans Herz legen, als auch denen, die auf der Suche nach einem guten Actionspiel sind, welches sinnvoll mit Rollenspielelementen ausgekleidet wurde.


Kommentar hinzufügen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Freizeit