1. Stadt Wien
  2. Freizeit
Mehr Freizeit
Artikel teilen
Kommentieren
Spiele Text: Michael Neichl

Dying Light Test – Zombie Survival in der Open World

Wenn sich Spieler über etwas in den vergangenen Jahren nicht beschweren können sind es Spiele mit Zombies. Egal ob im Kaufhaus, Kriegsszenarien oder Strategiespielen, kaum ein Genre ist unberührt von der Zombieapokalypse. Dying Light versucht nun die Untotenplage auf dramatische Weise aus einer Open-World First-Person-Sicht zu erzählen und dem Szenario seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Ob dies klappte verrät unser Test.

© |

Holpriger Einstieg

Aller Anfang ist bekanntlich nicht leicht. Nach einem mehr oder minder sauberen Fallschirmsprung aus einem Militärflugzeug begibt man sich in die Rolle von Kyle Crane, einem Agenten einer merklich amerikanisch angehauchten Organisation der in die fiktive, auf Russland anspielende Metropole Harran geschickt wird um ein Heilmittel gegen die Zombieplage zu finden. Nach kurzer Auseinandersetzung mit einer kleinen Truppe von Banditen wird man von der zu infiltrierenden Gruppe von Überlebenden gerettet, gewinnt Stück für Stück durch Missionen ihr Vertrauen und lernt zudem eine separate Gruppe von Überlebenden kennen, welche auf Grund ihrer härteren Überlebenstaktiken im Zwist stehen.

Klischees über Klischees

Nun mag sich die Prämisse von Dying Light zunächst spannend anhören, nach den ersten fünf Stunden wird jedoch schmerzlich klar, in Punkto Story und Charakterschreibung ist man hier von Originalität weit entfernt. Das beginnt schon beim Protagonisten, welcher zwar von Zeit zu Zeit eine Spur von Emotionen zum Vorschein kommen lässt, in den meisten Fällen jedoch wie ein stumpfer, gesteuerter Roboter wirkt. Im Laufe des Spiels nimmt man mehrfach Kontakt zu Kyle’s Auftraggebern auf, welche ihn stets wie mit dem Holzhammer seine Mission einbläuen und das das diese oberste Priorität habe. Als man wertvolle Rationen zerstören soll, um Kontakt mit einer feindlichen Gruppierung aufnehmen zu können protestiert unser „Held“ zwar dass die Rationen und Medikamente Leben retten könnten, willigt aber dennoch ein. Allerdings lässt er mit der Zeit die Überlebenden immer näher an sich heran und sogar eine Liebesbeziehung steht in Aussicht. Na, wer will raten wohin sich das Ganze entwickelt. Auch die anderen Charaktere, abgesehen von wenigen Ausnahmen, schaffen es nicht mehr als die typischen Klischees zu bedienen. Da wäre der junge, rebellische, engstirnige Anführer mit dem Herzen aus Gold. Der „coole“ mir ist alles egal Typ der aber irgendwann doch seine Ängste eingesteht und zu guter Letzt ein stark an Vaas aus Far Cry 3 erinnernder, psychopathischer Antagonist. Hier verpasste es Dying Light leider völlig neue Charaktere zu zeichnen oder sie in einem nicht bereits unzählige Mal ähnlich gesehenen Szenario abzusetzen.

Dead Rising meets Mirrors Edge

Gameplaytechnisch orientiert sich Dying Light recht stark an dem First-Person- Parkour Titel Mirrors Edge, wenn auch etwas vereinfachter. Mit nur wenigen Tastendrücken erklimmt man kinderleicht Häuserdächer, balanciert über Balkone und hangelt sich von Vorsprung zu Vorsprung. Die Mechanik geht leicht von der Hand, funktioniert dankender Weise an fast allen Objekten der Stadt und macht durchaus Spaß, auch wenn etwas mehr Herausforderung unserer Meinung nach nicht geschadet hätte.
Ist man am Boden unterwegs muss man Gebrauch von diversen Nahkampf-, im Laufe der Zeit auch Distanzwaffen machen. Rohre, Messer, Baseballschläger, Rohrzangen, alles was nicht niet- und nagelfest ist kann als Zombiebeseitigungsmittel fungieren. Leider ist die eigentliche Mechanik dahinter herzlich simpel und im Laufe der Zeit auch ermüdend. Mit der immer gleichen Taste hämmert man auf herannähernde Zombies ein, rennt ein paar Meter zurück um die Ausdauer aufladen zu lassen, rennt wieder hin und so weiter und so weiter.

Video
Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

 

So viele gute Ansätze…

Eine im Ansatz gute Idee, welche leider nicht zu Ende gedacht wurde ist zudem, dass eure Waffen mit jedem Schlag auch Schaden erleiden und irgendwann ihre Wirkung verlieren, dargestellt durch einen Balken in der Ecke des Bildschirms. Kaputte Waffen können durch Einsatz von gesammelten Teilen zwar wieder repariert werden hier allerdings das Problem: Die Teile zur Reparatur sind streckenweise äußerst selten und werden für diverse nützliche, herstellbare Gegenstände benötigt, Waffen hingegen gibt es wie Sand am Meer. Es macht schlicht keinen Sinn Waffen zu reparieren. Zwar haben gleiche Waffen unterschiedliche Schadenswerte (eine blaue Rohrzange macht beispielsweise 12 Schadenspunkte mehr als eine graue) allerdings gehen die Nahkampfwaffen dermaßen schnell „zu Bruch“, dass es sich schlicht nicht lohnt wertvolle Teile die alternativ für Bomben, Medipaks und andere Dinge verwendet werden können zu verschwenden.

Gelungene Hatz

Wenn auch der stumpfe Kampf relativ schnell langweilig wird, so ist es dennoch der Parkour-Aspekt der auch nach Stunden immer noch Spaß macht. Das scheint den Machern auch bewusst gewesen zu sein weshalb sie sich entschlossen haben dem Spieler bei Nacht nur die Möglichkeit in einen der vielen auf der Karte verteilten Safe-Häuser zu flüchten. Durch schier unbesiegbare wie wendige nachtaktive Gegner spürt man bereits die Nervosität wenn man am Horizont die Sonne untergehen sieht aber weit und breit keine Speichermöglichkeit in Sicht ist. Hier sorgen auch die äußerst unangenehmen Soundeffekte und Schreie der Gegner in Verbindung mit klassischer Horrormusik-Untermalung für den atmosphärischen Kick. Zu guter letzt wäre da noch die wahnsinnig detailreiche Grafik. Vom ersten Aufwachen im kleinen Apartment bis zum Erklimmen des höchsten Wolkenkratzers. Hier ist keine Textur schwammig, keine Häuserfront die erst nachgeladen werden muss, kurz: Dying Light war der erste Titel der bei uns in diesem Bereich für echtes Next-Gen-Feeling sorgte.

So geht Multiplayereinbindung!

Der für uns technisch neben der Grafik beeindruckendste Punkt war die hervorragende Einbindung für Multiplayer-Sessions. Sofern man es will können jederzeit andere Spieler eurem laufenden Spiel beitreten. Ganz ohne Unterbrechung für euch selbst könnt ihr mit Spielern rund um die Welt gemeinsam Quests nachgehen, Loot sammeln, etc. Auch bereits erfüllte Aufgaben können erneut bestritten werden um Erfahrungspunkte für die Skilltrees zu sammeln. Auch hier fanden wir das Konzept äußerst gelungen. Es gibt drei verschiedene Skilltrees die jeweils von euren Parkour-, Kampf- und Überlebensfähigkeiten ausgebaut werden können. Ähnlich wie bei Mittelerde: Mordors Schatten wirkt hier kein Skill sinnlos, sondern stärkt den Charakter um einiges. Im Umkehrschluss kostet der virtuelle Tod wiederrum Erfahrungspunkte.
Wer übrigens noch den DLC „Sei das Monster“ sein eigen nennt hat die Möglichkeit in einer Art „Capture the bases“ Modus als ein Monster gegen bis zu drei Überlebenden zu kämpfen, welche fünf Zombienester zerstören müssen. Werden alle Nester zerstört oder die Überlebenden vom überaus starken Monster zu oft getötet ist Schluss. Zwar ist dieser Modus mit der Monsterhatz Evolve nicht zu vergleichen, für ein paar Runden macht es aber definitiv Spaß. So übrigens auch unser Fazit.

Fazit

Dying Light ist bei weitem kein schlechtes Spiel. Bei diesem Top-Niveau der Grafik kann nicht einmal Far Cry 4 mithalten. Durch Licht- und Toneffekte wird gerade in den Nachtpassagen eine hervorragend düstere und unangenehme Atmosphäre erzeugt und die Parkour-Mechanik á la Mirrors Edge funktioniert hervorragend. Leider schwächelt der Titel aus dem Hause Techland im Bereich Story und Charakter-Präsentation. Zu vieles wirkt aufgesetzt und wiedergekäut und auch der Kampf abseits der Fluchtsequenzen ist zu eintönig und verliert schnell an Reiz. Durch den hervorragend implementierten Multiplayer können wir aber dennoch von einem gelungenen Titel sprechen. Wenn auch nicht für jedermann.


 

Prozent

Punkte 1-10

Story

44%

4

Gameplay

64%

6

Grafik

92%

9

Sound+Musik

87%

8

Multiplayer

79%

8

Gesamt

74%

7


Kommentar hinzufügen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Freizeit