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Kino Text: Jürgen Weber

Hedy bekommt Theaterstück an renommierter Josefstadt

Die geborene Wienerin Hedwig Eva Maria Kiesler, die am 9. November 2014 ihren 100. Geburtstag feiern würde, hat fast vierzehn Jahre nach ihrem Tod immer noch keine Ruhestätte gefunden. Außer einem „Hedwig Lamarr Weg“ in einem abgelegenen Wohnviertel Wiens erinnert in Wien nichts mehr an eine der intelligentesten und schönsten Töchter Wiens. 2017 würdigt das altehrwürdige Theater an der Josefstadt Wiens schönste und intelligente Tochter jedoch mit einem Theaterstück von Peter Turrini.

Foto der Filmschauspielerin Hedy Lamarr
© Marvin Page/Filmmuseum München | Hedy Lamarr

Zwischen Hollywood und Forschung

Hedy Lamarr war nicht nur eine österreichische Schauspielerin, die es bis nach Hollywood brachte, sondern auch eine Erfinderin. Mit ihrem „frequency hopping“ konnte sie zwar das Ende des Zweiten Weltkrieges nicht beschleunigen, aber immerhin die heißeste Begegnung des Kalten Krieges - die Kubakrise - entschärfen, wie es die neuesten Recherchen eines amerikanischen Historikers ans Licht brachten.

Am Höhepunkt der Begegnung zwischen den USA und der UdSSR war es die Überlegenheit der amerikanischen Missiles, die Chrustschow schließlich dazu brachten, einen Rückzieher zu machen. Und die Technologie, die in diesen Missiles steckte, verdankte die US-Army einer Hollywood-Schauspielerin, der Österreicherin Hedwig Eva Maria Kiesler besser bekannt als Hedy Lamarr. Aber der in den USA sehr verehrten und berühmten Tochter Wiens wird in ihrer Heimatstadt nicht einmal ein Grab zur Verfügung gestellt. Ein Teil ihrer Asche ruht immer noch an einem der Redaktion bekannten Ort in Wien, in einem einfachen Behältnis, ohne Grabesstätte.

U.S. Patent No. 2292387/1942: Hedy – die Pionierin

Mit dem Komponisten George Antheil hatte Hedy Lamarr während des Krieges ein Fernsteuerungssystem für Torpedos erfunden, das auch unter dem Schlagwort „frequency hopping“ bekannt wurde und die Voraussetzungen für die heutige moderne kabellose Kommunikation schuf. In jedem Mobiltelefon, Bluetooth und WLAN-Netzwerk steckt der Pioniergeist Hedy Lamarrs, die sich von Hollywood wohl zeitlebens intellektuell unterfordert gefühlt hat. Das „Wireless Communication System“ sorgt mit Hilfe permanenter Frequenzwechsel dafür, dass das feindliche Radar das Torpedo oder die Rakete nicht erkennt, und bringt sie so sicher ins Ziel. Das Patent von Hedy Lamarr trug die offizielle Bezeichnung „frequency-hopping radio encryption technique“ und hatte die U.S. Patent No. 2292387 vom August 1942.

Hedy Lamarr hatte das Knowhow wahrscheinlich im Hause ihres ersten Ehemannes Fritz Mandl erworben, der damals schon (vor und nach dem Anschluss) mit den Größen der Nazi-Rüstungsindustrie in seinem Hause zu Abend aß. Die US-Army verstand die Erfindung Lamarrs allerdings erste Jahre später und führte erstmals in der Kubakrise zu einer profitablen Anwendung: die Weiterentwicklung von Lamarrs Erfindung hatte immerhin den Ausbruch des Kalten Krieg verhindert.

Heroine ohne Denkmal, Frau ohne Grab

Auch wer ein Handy besitzt, kann sich indirekt bei der sog. „schönsten Frau der Welt“ bedanken. Aber trotz ihrer Verdienste für den österreichischen und internationalen Film und ihre Rolle als Antifaschistin, Pionierin der Emanzipation, Frau und Jüdin verweigert die Stadt Wien ihr weiterhin ein Ehrengrab. Die Asche der im Jahre 2000 in Altamonte Springs, Florida verstorbenen Hedy Lamarr wurde zwar - wie in ihrem Testament verfügt - teilweise über Wien („Am Himmel“) verstreut. Ihr Sohn Anthony Loder hatte persönlich die Durchführung des letzten Willens seiner Mutter übernommen und in dem Film „Calling Hedy Lamarr“ von dem österreichischen Filmemacher Georg Misch wird dies sogar dokumentiert. Aber Loder verstreute eben nicht die ganze Asche seiner Mutter über Wien. Die zweite Hälfte der weltlichen Überbleibsel von Hedy Lamarr lagert an einem unbekannten (der Redaktion bekannten) Ort und wartet nunmehr seit zehn Jahren auf eine würdige Beisetzung.

Skandalöse Würdigung

Der zuständige Kulturstadtrat der Stadt Wien beruft sich auf eine Regelung der Stadt Wien, die besagt, dass nur die Pflege, nicht aber die Errichtung der Ehrengräber von der Gemeinde übernommen würde. Die Kosten der Errichtung eines Ehrengrabes müssten die Angehörigen selbst tragen, dann würde die weitere Grabpflege von der Stadt Wien übernommen werden. Der bei der Wiener Premiere des Films 2005 angekündigten Worte folgten nur wenige Taten. Es gibt zwar inzwischen eine Hedy Lamarr Straße beim Wiener Kabelwerk, aber immer noch kein Grab. Und selbst bei der Straßenbenennung wurde gepfuscht: ihr Geburtsdatum wird mit 1913 statt 1914 angegeben, ihre Verdienste für die Welt und die Stadt Wien auf einer Tafel mit „eine der schönsten Frauen der Welt“ beschrieben. Anstelle einer solchen – sexistisch reduzierten - Würdigung, wäre es doch besser gewesen, auch auf ihre Verdienste als Erfinderin hinzuweisen, wie es etwa die (europäische) Benennung des 9. Novembers – ihres Geburtstages – als Tag der Erfinder tut oder auch andere zahlreiche ausländische Preise, die auf Hedy Lamarr Bezug nehmen.

Die Pionierin Hedy Lamarr hat in ihrer Heimat immer noch keine anständige Würdigung erfahren und vielleicht blüht ihr bald dasselbe Schicksal wie so vielen anderen jüdischen EmigrantInnen, die erst dann wieder „zwangseingebürgert“ werden, wenn sie im Ausland erfolgreich und berühmt geworden sind. In Hollywood wird derweilen jedenfalls bereits - mit Staraufgebot - an einer Verfilmung der Lebensgeschichte von Hedy Lamarr gearbeitet. Wenn Wien sich nicht beeilt, ist es wieder einmal zu spät dran.

Fortsetzung folgt

Ob die Stadt Wien bis zu Hedy Lamarrs 100. Geburtstag (9. November 2014) ein Ehrengrab für eine ihrer wohl berühmtesten Töchter zur Verfügung stellen wird, ist bei Redaktionsschluss noch unbekannt. Ein Verein zur Erreichung dieses Zieles wurde in Wien schon gegründet: „Memento Hedy Lamarr“ verfolgt nicht nur die Sammlung von Spenden für die Errichtung eines Ehrengrabes für Hedy Lamarr, sondern auch das Gedenken an die Erfinderin und Pionierin.

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Hedy an der Josefstadt

Die Pionierin des Handys wird im Januar 2017 mit einem eigens für sie angefertigten Bühnenstück aus der Feder des enfant terrible Peter Turrrini am Theater in der Josefstadt in Wien geehrt. Mit dem Titel "Sieben Sekunden Ewigkeit" wird allerdings auf ihre berühmte Nacktszene in "Ekstase" angespielt und weniger auf ihr erfinderisches Talent. Nähere Details dazu erfahren Sie auch unter diesem Link hier!


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