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Kino

Cineplexx setzt auf Hi-Tech im Kinosaal

Cineplexx-Geschäftsführer Christof Papousek spricht im stadt-WIEN.at-Interview über die Zukunft des Kinos und die Konkurrenz durch das Internet. Und er erklärt, warum die Kasse im Kino immer noch wichtig ist.

Links Christof Papousek, rechts ein Cineplexx Kinosaal, Sitze und Wände in Rot.
© Cineplexx | Cineplexx Geschäftsführer Mag. Christof Papousek gab uns im Interview Auskunft über die Zukunft des Kinos.

stadt-WIEN.at: Wodurch unterscheiden sich die Cineplexx-Kinos von anderen Kinos im Raum Wien?

Christof Papousek: Wir sind quantitativer und qualitativer Marktführer. Cineplexx ist seit Jahrzehnten mit unseren Vorgängerkinos im Rahmen der Lichtspieltheater-Betriebsgesellschaft immer ein Innovationsführer gewesen. Von THX bis zur Einführung von IMAX-Kinos, 3D in einem großen Ausmaß bis hin zu einem dreidimensionalen Sound mit Dolby Atmos oder Barco Auro, das wir in den Village Cinemas in Wien-Mitte eingeführt haben. Für uns ist auch der Servicegrad im Kino sehr wichtig und ich denke, dass wir hier mit unseren geschulten Mitarbeitern führend sind. Der Qualitätsgedanke, den wir leben, wird auch von unseren Mitarbeitern hochgehalten.

"Bei Regen gehen Sie in Deckung, weil Sie glauben, es fallen Ihnen die Tropfen auf den Kopf"

stadt-WIEN.at: Wie kann man im Servicebereich punkten?
Papousek: Es geht um präzise Information an der Kinokasse. Die Kinokasse ist durch das Internet und durch das Web-Ticketing noch lange nicht abgelöst. Viele Menschen wollen sich an der Kasse über den Film informieren, aber auch über Zusatzprodukte wie Treue-Programme, bei denen man Punkte sammelt, die man dann in Prämien umtauschen kann. Ein weiterer Punkt ist die Sauberkeit und die Qualität im Saal. Unsere Mitarbeiter sind in den Sälen auch präsent. Auch in schwächeren Zeiten unter der Woche in Kinos mit vielen Sälen betreut ein Team aus Vorführern und Billetteuren den Saal, damit die Lautstärke, Sauberkeit und Luftqualität in Ordnung sind.

stadt-WIEN.at: Die Freizeit verschiebt sich in zwei Hauptbereiche: Tag und Nacht. Ist angedacht, die Kinozeiten in der Nacht zu erweitern?
Papousek: Da werden wir flexibel der Nachfrage folgen. Im Moment sind  Nachtvorstellungen, insbesondere unter der Woche, kein großes Thema. Die in der Peripherie oder im ländlichen Bereich gelegenen Kinos sind aufgrund der längeren Anfahrtswege auch nicht die besonderen Nachtvorstellungskinos. Kinos wie das Village Cinemas in Wien-Mitte, die mit allen möglichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, sind da natürlich in einer anderen Position. Freitag und Samstag sind Nachtvorstellungen, die zwischen 22.00 und 23.00 Uhr beginnen, in Ordnung. Beim Eventkino – 007 startet um 0.07 Uhr – gibt es einen Hype. Das ist aber nur eine Vorstellung. Wenn es – wie in mediterranen Ländern – zum Trend wird, dass Filme um 0.00 Uhr beginnen, sind wir dabei.

stadt-WIEN.at: Sehen Sie das Internet als Konkurrenz im Filmangebot? Wie sehen Sie die Zukunft?
Papousek: Die Konkurrenz im Internet muss man zweiteilen. Das eine ist der legale Video-on-demand-Konsum, dem wir uns mit unserer Lösung „Cineplexx2Go“ geöffnet haben. Die Einhaltung des Auswertungsfensters spielt dabei eine wichtige Rolle. Wenn ein Film in allen Auswertungsstufen erfolgreich sein soll, muss er im Kino erfolgreich sein. Dazu stehen wir als Kinogruppe, als Video-on-demand-Anbieter, aber auch als Filmverleih.

Die zweite Komponente im Internet ist die Piraterie. Dagegen muss man über vernünftige Maßnahmen im Urheberrechtsschutz ankämpfen. Es kann nicht sein, dass unter dem Gedanken einer freien Kommunikation im Internet Portale mit gestohlenem Gut und Urheberrechtsverletzungen ihr Geschäft machen. Das gehört absolut unterbunden. Es ist ein Lichtblick, dass die Initiative der digitalen Wirtschaft der Europäischen Kommission hier einen Riegel vorschieben will. Das klingt böse und viele schreien Zensur - aber es kann nicht sein, dass manche sich bereichern, indem sie Filme stehlen und Musik und Bücher und und und...

Noch ein Nachsatz: Auch Medienhäuser wehren sich gegen Google, weil hier hochqualitative journalistische Inhalte binnen kürzester Zeit gratis irgendwo herumschwirren. Es muss einen Weg geben, denn sonst werden kreative Menschen, die sich etwas überlegen und etwas entwickeln irgendwann einmal nicht mehr da sein - weil sie nichts dafür bekommen.

stadt-WIEN.at: Thema App. Was kann die neue Cineplexx-App?
Papousek: Das Service heißt „Cineplexx2Go“. Wir wollen damit den legalen Filmkonsum ermöglichen. Zum Digital Release eines großen kommerziellen Films wollen wir in der Cineplexx-Welt dabei sein. Im Prinzip funktioniert es so wie bei anderen Anbietern auch: Es ist eine Video-on-Demand-Plattform, wo man Filme a la carte aussuchen kann. Man kann die Filme leihen oder kaufen. Wir sind kein Subscription-Portal, bei uns gibt es keine Dauerverpflichtung mit einem monatlichen Fixbetrag. Bei uns gibt es wirklich ein Auswählen der Filme a la carte.

stadt-WIEN.at: In welcher Preisklasse?
Papousek: Bei der Leihe von 1,99 bis 5,99 Euro. 1,99 sind ältere Katalogtitel in Standard-Digitalformat und 5,99 ist der brandaktuelle Digital Release in HDplus, also etwa vier Monate nach dem Kinostart. Wir sind einer der wenigen Anbieter, die Filme in HDplus-Qualität anbieten können. Beim Kauf liegen wir bei 7,99 bis 19,99 Euro, je nach Länge und Aktualität des Films.

stadt-WIEN.at: Laut Statistik gab es in den Kinos in der unmittelbaren Vergangenheit einen Besucherrückgang von einer Million. Worauf führen Sie das zurück? Ist es die Qualität der Filme oder doch das Internet?
Papousek: Der Markt schwankt und es hängt in erster Linie vom Filmangebot ab, aber auch vom Wetter und von Großereignissen wie zum Beispiel einer Fußball-WM. Im Jahr 2014 war vier Wochen lang das Freizeitleben durch Fußball geprägt. Da gibt es auch Terminverschiebungen bei den Filmstarts. Aufgrund des großen Werbedrucks und der  zunehmenden Attraktivität dieser Ereignisse wirkt sich das auch auf die Besucherzahlen im Kino aus. Generell kann man nicht von einem Rückgang sprechen. Wir werden im Jahr 2015 gegenüber 2014 wahrscheinlich ein Besucherplus von 10 Prozent und mehr erleben. Das sind Zyklen. Das Line-Up für 2016 sieht hervorragend aus. Es steht die neue Star-Wars-Trilogie bevor, Avatar 2 ist in Produktion. Wir sehen jetzt einen zwei- bis dreijährigen Zyklus mit mehr Besuchern. Grundsätzlich gibt es eine gewisse Parallelverschiebung nach unten. Das ist durchaus in der Piraterie begründet und in einem erweiterten Medien- und Kommunikationskonsum vor allem der jungen Leute zwischen 12 und 25.

stadt-WIEN.at: Wie sieht die unmittelbare Zukunft aus?
Papousek: Wir sehen weitere technologische Schritte. Der Sound im Kino wird qualitativ hochwertiger und mehr und mehr dreidimensional gestaltet werden.

stadt-WIEN.at: Wann wird es so weit sein?
Papousek: Wir haben bereits im Cineplexx Graz und im Cineplexx Donau Plex in Wien Dolby Atmos installiert und planen dies flächendeckend. Dolby Atmos ist ein Multi-Channel-Soundsystem mit 60 Kanälen. Hier befinden sich 55 Effektlautsprecher in einem Kinosaal. Fünf Subwoofer sind vorwiegend hinter der Bildwand verteilt. 22 Lautsprecher sind in zwei Parallelreihen im Plafond eingebaut. Bei Regen gehen Sie in Deckung, weil Sie glauben, es fallen Ihnen die Tropfen auf den Kopf. Ein Hubschrauberflug quer durch den Saal klingt einfach auch anders. Das hebt das Theatererlebnis hervor und grenzt von technisch sehr hochwertigen Home-Entertainment-Systemen ab.

Zweiter wichtiger technischer Punkt ist, dass die Laser-Projektion in Entwicklung ist – teilweise auch schon marktreif. Der Laser arbeitet anders als die derzeitige digitale Projektion. Er kreiert mit vier Bildpunktgebern ein Bild. Die Farbpalette ist deutlich größer und die Farbe ist eindeutig definiert, weil sie nicht mehr durch ein Medium durchleuchtet, sondern ursprünglich generiert wird. Und Schwarz ist richtig schwarz. Das ergibt eine ganz neue, unglaubliche Farb- und Gestaltungswelt für die Filmemacher in 2D und in 3D. Wir freuen uns schon sehr darauf und werden Premium-Säle in den nächsten Jahren mit dieser Technologie ausstatten.

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