| ORF1 | ORF2 | 3sat | ATV | ORF Sport+ | |
|---|---|---|---|---|---|
| vormittag |
|
|
|
|
|
| nachmittag |
|
|
|
|
|
| abend |
|
|
|
|
|
| nacht |
|
|
|
|
|
Fernsehprogramm des NS-Regimes
Fernsehprogramm gibt es länger als viele denken mögen. Das weltweit erste regelmäßig ausgestrahlte Fernsehprogramm kam ausgerechnet in Nazi-Deutschland im Jahre 1935 zustande. Am 22. März 1935 ging der „Fernsehsender Paul Nipkow“ in Betrieb. Die Namensgebung geht auf den Erfinder gleichen Namens zurück. Dieser erfand bereits 1884 die so genannte „Nipkow-Scheibe“. Diese konnte Bilder zeilenweise abtasten und in elektrische Impulse umwandeln. Die Übertragung dieser Impulse an andere Stellen war eine der Grundvoraussetzungen für die Entwicklung des Fernsehens. In Bezug auf die Zuständigkeiten für das Nazi-Fernsehen kam es zu einem Kompetenzstreit, der schließlich in die Aufteilung der Kompetenzen auf drei verschiedene Reichsministerien des Regimes mündete: Für Inhalte im Fernsehprogramm der Nazis war Propagandaminister Joseph Goebbels zuständig. Der für die Luftfahrt zuständige Hermann Göring zeichnete verantwortlich für die kriegswichtigen Aspekte der Bildübertragung und verschiedene wechselnde Reichspostminister für den reibungslosen technischen Ablauf. Technisch war das Fernsehen unter den Nazis noch alles andere als ausgereift, es ging dem Regime in erster Linie darum, auf diesem Gebiet aus Propagandazwecken der englischen BBC zuvorzukommen. Das Fernsehprogramm, das damals dreimal wöchentlich von 20:30 bis 22 Uhr ausgestrahlt wurde, konnte allerdings zunächst nur in Berlin und Umgebung empfangen werden. Empfangsgeräte in privaten Haushalten gab es damals natürlich noch so gut wie überhaupt nicht.
Nach und nach wurden in Berlin öffentliche Fernsehempfangsstellen errichtet, die erste 1935 im so genannten Reichspostministerium. Ob diese immer aufgesucht wurden, um das den Zielen des Regimes angepasste Fernsehprogramm zu konsumieren, ist fraglich: Es handelte sich um kostenlos zugängliche beheizte Stuben, in denen jeweils c.a 30 Sitzplätze und nur je zwei für heutige Verhältnisse extrem kleine Empfangsgeräte zur Verfügung standen. Von 1941 bis 1943 war das Fernsehprogramm des „Senders Paul Nipkow“ auch in verschiedenen Fernsehstuben in Hamburg zu sehen. Das Fernsehprogramm musste auf Bildschirmen von einer Größe von nur 18x22 Zentimeter verfolgt werden. Noch dazu hatten die damaligen Empfangsgeräte eine extrem schlechte Bildauflösung, was zur Folge hatte, dass die übertragenen Bilder oft von einem Sprecher erläutert werden mussten. Das Fernsehprogramm bestand in erster Linie aus Wochenschauen, Varieté-Sendungen, Kurzfilmen und Propagandasendungen. Während der olympischen Spiele 1936 in Berlin wurde das Fernsehprogramm des Senders vorübergehend auf täglich acht Stunden ausgedehnt. Zur massenhaften Verbreitung sollten dann erschwingliche Empfangsgeräte beitragen: 1939 wurde der erste „Fernseheinheitsempfänger“ E1 auf der Rundfunkausstellung präsentiert. Dieser sollte für 650 Reichsmark den Weg in den Handel finden. Vorgesehen war, von diesem Empfänger 10.000 Stück zu bauen. Fernsehprogramm als echtes Massenmedium kam unter dem Nazi-Regime allerdings nicht mehr zustande: Der zweite Weltkrieg kam dazwischen und bis zum Beginn des Krieges am 1. September 1939 wurden gerade einmal 50 Stück vom E1 gefertigt. Während des Krieges änderte sich zunächst der Verwendungszweck des Nazi-Fernsehens: Die Empfangsgeräte wurden aus den vorher eingerichteten Fernsehstuben entfernt und dienten stattdessen nun als „Erholung“ für im Krieg verwundete Soldaten in Berliner Lazaretten. Im November 1943 kam es durch Bombenangriffe zur Zerstörung des Berliner Senders. Dies führte dazu, dass das Fernsehprogramm nur noch über das Breitbandkabelnetz der Reichspost übertragen wurde. Nach dem Ende des Nazi-Regimes wurde das Fernsehprogramm bzw. der Betrieb eines solchen durch die Alliierten zunächst verboten. Erst 1950 nahm zunächst in Hamburg, ein Jahr später dann in Berlin das deutsche Fernsehen wieder seinen Betrieb auf. Erst im Jahre 1955 konnte in der damaligen BRD das Fernsehprogramm im gesamten Bundesgebiet empfangen werden. Interessant ist, dass im Fernsehprogramm der Nazis einige spätere Sendungsformate bereits erste Vorläufer hatten. So gab es etwa mit der Sendung „Die Kriminalpolizei warnt!“ bereits ein ähnliches Format, wie es heute „Aktenzeichen XY“ darstellt.
Autor: Andreas Lassnig