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Fernsehprogramm in Österreich gibt es nunmehr seit über 50 Jahren. Die erste Sendung im österreichischen Fernsehprogramm ging am 1. August 1955 über die Bühne: Eine Journalistenrunde diskutierte die Frage „Ist das Fernsehen eine Gefahr für die Presse?“. Schon 1951 hatten einige engagierte Techniker begonnen, in Österreich Versuchsanlagen für Fernsehen zu bauen. Von flächendeckender Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit Fernsehprogramm konnte am Anfang natürlich noch nicht die Rede sein. Nur wenige Jahre nach Kriegsende war es zunächst einmal notwendig, die technischen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen. Bereits im Dezember 1954 wurde der Entschluss gefasst, bis zum Jahre 1956 ein regelmäßiges Fernsehprogramm im Ausmaß von 20 Wochenstunden auf die Beine zu stellen. Weiteres ehrgeiziges Ziel in diesem Zusammenhang: Bereits die Hälfte der österreichischen Bevölkerung sollte in der Lage sein, dieses Fernsehprogramm zu empfangen. Voraussetzung dafür war die Errichtung zahlreicher großer Sendeanlagen. Bis die wichtigsten Ballungszentren in Österreich mit Fernsehprogramm versorgt waren, sollte es aber dann noch bis Ende 1957 dauern. Die gebirgige österreichische Topographie erschwerte das Projekt. So wurde etwa in Vorarlberg die Sendeanlage am Bregenzer Pfänder überhaupt erst 1958 in Betrieb genommen. Und bis das Fernsehprogramm auch in entlegeneren dörflichen Gebirgsregionen Einzug halten konnte, dauerte es noch bis Ende der 60er-Jahre. Bis Ende Dezember 1956 war Fernsehprogramm in Österreich noch eine sehr überschaubare Angelegenheit: Gesendet wurde nur an drei Abenden in der Woche sowie sonntags am späten Nachmittag. Ab 1. Jänner 1957 wurde das Fernsehprogramm dann auf sechs Tage in der Woche ausgedehnt, um schließlich im Herbst 1959 noch weiter auf einen täglichen Rhythmus ausgeweitet zu werden. Ebenfalls ab 1959 hielt die Werbung ins österreichische Fernsehprogramm Einzug. Im Jahre 1964 hatte das österreichische Fernsehprogramm bereits 500.000 Zuseher. Der Startschuss zur Ausstrahlung eines zweiten Fernsehprogramms fiel im Jahre 1961. Dieses zweite Fernsehprogramm wurde jedoch anfangs nur vom Sender Kahlenberg ausgestrahlt und lief zunächst – so wie schon das erste Programm in seinen Anfängen – nur an drei Tagen die Woche. Erst 1964 waren dann auch die meisten anderen Großsendeanlagen mit Sendern für das zweite österreichische Fernsehprogramm ausgestattet. Bis auch dieses zu einem täglichen Vollprogramm wurde, dauerte es trotzdem noch bis zum Jahre 1970.
Die Gestaltung des österreichischen Fernsehprogramms hat natürlich im Laufe von fünf Jahrzehnten einige Wandlungen durchgemacht. In seinen Anfängen in den 50er Jahren war Volksbildung ein großer Schwerpunkt im Fernsehprogramm. So brachte bereits 1956 Otto König den Fernsehzuschauern die „Wunder der Tierwelt“ näher. Und wer glaubt, Kochsendungen im Fernsehprogramm seien eine Erfindung neuerer Zeit, der irrt: Otto Ruhm, bereits aus dem Radio bekannt, kochte bereits in den ersten Jahren des österreichischen Fernsehens in ebendiesem auf. Sportberichterstattung war auch schon sehr früh einer der Schwerpunkte im österreichischen Fernsehprogramm. Bereits von den olympischen Winterspielen in Cortina d`Ampezzo wurde regelmäßig berichtet. Weitere Meilensteine im österreichischen Fernsehprogramm waren der Kasperl, der ab 1957 live aus dem kleinen Fernsehstudio in der Singrienergasse in Wien-Meidling gesendet wurde sowie die Übertragung der ersten Mondlandung im Jahre 1969. Überhaupt spielten im österreichischen Fernsehprogramm immer auch Informationssendungen eine große Rolle. Der vom österreichischen Fernsehpionier Teddy Podgorski ersonnene Name „Zeit im Bild“ für die aktuellen Nachrichtensendungen des Fernsehprogramms hat nun immerhin schon mehrere Jahrzehnte überdauert. Und natürlich ist die Informationsschiene im österreichischen Fernsehen auch untrennbar mit dem Namen Helmut Zilk verbunden, dem späteren Wiener Bürgermeister, der so manche Diskussionssendung mit dem ihm schon in jungen Jahren eigenen sehr ausgeprägten Selbstbewusstsein leitete. Apropos Diskussionssendungen: Unbestritten eines der Erfolgsformate im österreichischen Fernsehen ist der Club 2, seit Oktober 1976 auf Sendung und vor kurzem wieder reanimiert. Unvergessen bleibt wohl jene Club 2-Diskussion, in der die Punk-Sängerin Nina Hagen für einen Skandal sorgte, als sie live auf Sendung versuchte, Masturbationstechniken zu demonstrieren. In Sachen Unterhaltung im österreichischen Fernsehprogramm stechen auch aus heutiger Sicht noch zwei Serien aus den 70er-Jahren besonders ins Auge: Die satirische Kriminalserie „Kottan ermittelt“, in der der leicht vertrottelte Adolf Kottan – im Laufe der Zeit von drei verschiedenen Schauspielern, nämlich Peter Vogel, Franz Buchrieser und Lukas Resetarits verkörpert – sich durch seine Fälle kämpft, sowie „Ein echter Wiener geht nicht unter“, die Geschichte des Wiener Arbeiters Edmund Sackbauer, der sich gemeinsam mit seiner Familie fluchend, schimpfend und grantelnd, aber mit gutem Herzen durchs Leben schlägt.
Im Fernsehprogramm der 80er-Jahre erwähnenswert ist unter anderem die Sendung „Wetten, dass“, erfunden und zunächst moderiert von Frank Elstner. „Wetten, dass“, heute von Thomas Gottschalk moderiert, hat sich bis zum heutigen Tage im deutschsprachigen, auch im österreichischen Fernsehprogramm gehalten. Die 80er-Jahre läuteten aber auch eine Zäsur im österreichischen Fernsehprogramm ein: Das Satellitenfernsehen hatte mit dem Start des ersten ASTRA-Satelliten im Jahre 1989 seinen großen Durchbruch, und somit verstärkte sich nun durch die deutschen Privatsender die Konkurrenz für das öffentlich-rechtliche österreichische Fernsehprogramm deutlich, was zur Folge hatte, dass man auch in Österreich dazu überging, rund um die Uhr Fernsehprogramm auszustrahlen. Weitere Highlights im österreichischen Fernsehprogramm: Opernführer Marcel Prawy machte bereits 1965 die österreichischen Fernsehzuseher mit der Oper vertraut. Hermes Phettberg präsentierte von 1995 bis 1996 die „Nette Leit Show“. Unvergessen ist die einleitende Frage „Frucade oder Eierlikör“ an seine Studiogäste. Unvergessen ist aber auch jene Episode, in der Phettberg oben erwähnten Marcel Prawy zu Gast hatte und die beiden über die Vorteile von Plastiksackerln philosophierten. Elisabeth T. Spira und ihre Alltagsgeschichten, in denen sie intime Reportagen über österreichische Originale abliefert, sind ebenfalls jetzt schon in die österreichische Fernsehgeschichte eingegangen. Und Kommissar Rex hätte sich wohl in der ersten Staffel Karl Markovics alias Stockinger gegenüber auch besser benommen, wenn er damals schon gewusst hätte, dass dieser einmal Oscarpreisträger sein würde.