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Digitale Welt Text: Elisabeth Rauter

Vernetzes Kinderspielzeug - Spionagewerkzeug im Spitzenkleid

Was ist das Erste, was Ihnen zum Thema Spionage einfällt? Der russische KGB, die Stasi in der DDR oder die Überwachungs- und Spionageaffäre rund um die Amerikanische NSA? Die neuesten Entwicklungen am Spielzeugmarkt locken mit großen Innovationen und noch größerem Potenzial. Das Internet der Dinge wird immer mehr Menschen ein Begriff und macht - mitsamt Vor- aber ebenso Nachteilen - auch vor den Spielecken nicht halt. 

Man sieht eine modifizierte Puppe, mit welcher wahrscheinlich nur noch wenige Kinder gerne spielen würden. Sie wurde mit verschiedenen mechanischen Bauteilen verunstaltet. Das Bild ist in Grau-Stufen gehalten.
© Doug Bowman/piqs.de | Eine Puppe zum Fürchten...

Dabei sollte man jedoch nicht die Risiken außer Acht lassen. Vernetzte Spielwaren sind – wie eigentlich alle Endpunkte welche in Verbindung mit dem Internet stehen – hackbar. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür wurde bereits vor etwa zwei Jahren erbracht, als es ein Experte für Online-Sicherheit namens Ken Munro schaffte, sich in ein „als Puppe verkleidetes Bluetooth-Headset“ einzuklinken und vier verschiedene Arten das Gerät anzugreifen identifizierte. Um seinen Erfolg noch zu veranschaulichen brachte er das Spielzeug dazu sich in übler Fäkalsprache zu äußern.

Es zeigt sich also, dass das Risiko nicht zu unterschätzen ist und es sich lohnt, lieber einmal mehr nachzufragen. Wunderbar dafür geeignet ist die Website Saferinternet, die von der Europäischen Union initiiert wurde und es sich zum Ziel gesetzt hat sowohl Jugendliche und Kinder als auch Eltern und Lehrpersonen beim Umgang mit digitalen Medien zu unterstützen.

Derzeit arbeitet die Initiative an der ersten umfassenden Analyse Österreichs zu diesem Thema, als Zeitrahmen ist die Zeit zwischen Dezember 2016 und November 2017 festgelegt. Die Ergebnisse werden laufend auf der Website publiziert werden.

Beispiele für cooles, smartes Kinderspielzeug

Brio Smart Track Lock

Die klassischen Holzeisenbahnen, die es gefühlt schon immer gibt, wollen es sich auch nicht nehmen lassen auf den Technik-Zug aufzuspringen. Die Bahn selbst funktioniert batteriebetrieben und reagiert mit Licht- und Soundeffekten auf die Umgebung, durch die sie fährt. Mit unterschiedlichen Aktions-Chips, die frei platzierbar sind, kann das Kind selbst entscheiden, wann ein Zug stehen bleiben, weiterfahren oder überhaupt rückwärts weiterfahren soll.

BB-8 von Sphero

Ein kleiner Blick ins Star Wars-Universum. Wie schon der Vorgänger ist dieser Ball per App steuerbar, hat aber im Gegensatz zu diesem einen neuen Anstrich bekommen. Er kommt im Kleid des kugelrunden neuen Roboters aus dem neuesten Teilen des Leinwandepos. Über’s Handy kann man damit auch holographische Nachrichten sehen, wie dieses Video beweist. (Preis: 129,99 US-Dollar)

Osmo

Dabei handelt es sich um einen kleinen Reflektor, der auf die Kamera eines iPads geklemmt wird und so dem Gerät ein neues Leben einhaucht. Die Spiele werden jedoch nicht über die Berührung des Bildschirms gesteuert, sondern mithilfe von Buchstaben, Bausteinen und ähnlichem, die unter die Kamera bewegt werden. (Preis für Starter-Kit: 89€)

Avakai

Es muss nicht immer Kunststoff sein: Diese Puppen– entwickelt von deutschen Start-Up Vai Kai – werden im Zwillingspaar geliefert. Sie bestehen aus Holz und reagieren darauf, wenn Kinder mit ihr spielen. Durch eine Bluetooth-Verbindung zu Smartphone oder Tablet kann das Spielzeug via Licht, Ton und haptischen Signalen kommunizieren. Bis man aber dann tatsächlich damit spielen kann, muss man sich noch bis zum September gedulden. (Preis: 149 US-Dollar)

Lauschangriff im Kinderzimmer

Vor kurzem machte ein besonderes Spielzeug auf sich aufmerksam - die smarte Puppe ‚My Friend Cayla‘. Die Konsumenten und Konsumentinnen werden von der deutschen Bundesnetzagentur dazu angehalten das vernetzte Spielgerät umgehend zu vernichten oder professionell zu entsorgen. Als Grund dafür wird ein Verstoß gegen § 90 des deutschen Telekommunikationsgesetztes angegeben, es handle sich um eine verbotene Sendeanlage, die zur unbemerkten Fernüberwachung eingesetzt werden könnte. Eine verbotene Sendeanlage zeichnet sich dadurch aus, dass diese den Nutzern und Nutzerinnen vorgaukelt ein vermeidlich harmloser Alltagsgegenstand zu sein. Mit diesem Entscheid sind in Deutschland nun Besitz, Herstellung und Vertrieb der Puppe verboten.

Kritiker wenden sich an die Eltern, sich die Anschaffung solcher Produkte sehr gut zu überlegen und zu kontrollieren ob der Hersteller des gewünschten Spielzeugs einen wirksamen Datenschutz garantieren kann. Man appelliert auch an die Gesetzgebung die Anbieter stärker in die Pflicht zu nehmen, damit diese für ausreichend Sicherheit sorgen.

Funktionsweise von Cayla

Um das Risiko, welches von intelligentem Spielzeug ausgehen kann, besser verstehen zu können, muss man sich mit der Funktionsweise bekannt machen - als Beispiel wird hier die nunmehr verbotene Cayla beschrieben.

Via Bluetooth-Verbindung wird die Puppe mit Tablet oder Smartphone verbunden, wodurch sie den Zugang ins Internet erhält. Ohne diese Verbindung funktioniert die Spracherkennungssoftware nicht. Sobald die Halskette von Cayla leuchtet, ist die Netzwerkverbindung zustande gekommen.

Wenn man nun der Puppe eine Frage stellt sendet diese den Impuls weiter um eine passende Antwort auf die Frage zu finden – die Puppe benötigt also Mikrofon sowie Lautsprecher. Die Anfrage wird transkribiert, an einen Server übermittelt, wo anhand einer (von Eltern erweiterbaren) Blacklist überprüft wird ob eine Antwort gegeben werden soll. Im letzten Schritt wird die passende Antwort auf die Frage gesucht und durch die Puppe weitergegeben.

Lesen Sie mehr über die gängigen smarten Lautsprecher am Markt

>> Amazon Echo Alexa

>> Google Home

>> Microsoft Cortana

>> Apple Homepod

Freibrief zum Mithören

Eines der Probleme an diesem Verfahren findet sich bei der Installation der zugehörigen App. Damit wird nämlich einer Weitergabe der Daten an Dritte zugestimmt. Auch kann sich jedes in der Nähe befindliche Bluetooth-Gerät mit der Puppe verbinden und so Zugriff auf Lautsprecher sowie Mikrofon erlangen – sogar durch mehrere Wände hindurch, wie eine Untersuchung der Universität Saarland offenlegen konnte.

Im Fall der Puppe ist es nicht vonnöten beim erstmaligen Verbinden mit einem anderen Gerät einen Code eingeben zu müssen, wie es im Regelfall verlangt wird. Es ist auch möglich, die Puppe durch ihr Mikrofon zu einer Wanze umzufunktionieren, ohne, dass der integrierte Halsschmuck leuchten muss.

Zusätzlich scheint es, als würde die Puppe Werbebotschaften transportieren indem sie – zum Beispiel – nebenbei von ihren liebsten Disney-Filmen erzählt.

Blindes Vertrauen

Viele der als smart einzustufenden Spielwaren verfügen über eine Künstliche Intelligenz, welche nun aus ihrem Dasein in den Nischen spezieller Branchen heraustritt um in unserem täglichen Leben Fuß zu fassen. Spielzeuge werden damit nicht nur dazu fähig zuzuhören, sondern sie lernen auch – genauso wie die damit interagierenden Kinder.

Gegenüber der ‚Washington Post‘ stellt der Zukunftsexperte Dominic Basulto fest, dass der Nachwuchs wie selbstverständlich und ohne Skepsis anfängt mit den Gerätschaften in eine kommunikative Situation zu treten. Ein intuitiver Turing-Test, der eigentlich die Abgrenzung zwischen Mensch und Technik kennzeichnet, wird nicht mehr durchgeführt.

'Hello Barbie' als Negativbeispiel mit Preis „geehrt“

Bei den sogenannten Big Brother Award – kurz BBA – handelt es sich um Negativpreise, die jährlich in mehreren Ländern vergeben werden, mit welchen besondere Leistungen in puncto Beeinträchtigung der Privatsphäre von Personen und Weitergabe persönlicher Daten an Dritte ausgezeichnet werden sollen, womit man auf Problematiken des Datenschutz aufmerksam machen will. Namensgebend für die Auszeichnung ist die Figur des ‚Großen Bruders‘ in George Orwells Kultroman ‚1984‘.

In Österreich wird dieser Preis seit dem Jahr 1999 vergeben und es gibt verschiedene Kategorien, in welchen man sich besonders hervorheben kann – beispielsweise Business und Finanzen, Politik aber auch Weltweiter Datenhunger und ein People’s Choice Award sowie einen Sonderpreis für ein „lebenslanges Ärgernis“.

2015 durfte sich der Spielwarenhersteller Mattel für das in Kooperation mit der Firma Toytalk entstandene Produkt 'Hello Barbie' über den zweifelhaften Preis sowohl aus Deutschland als auch aus Österreich freuen. Die aufgemotzte Barbiepuppe ist nicht nur dazu in der Lage mit den Kindern in Interaktion zu treten, diese Gespräche werden auch aufgezeichnet und können weitergesendet werden. So bekommen die Eltern täglich einen Bericht dieser akustischen Überwachung aus dem höchstpersönlichen Lebensbereichs ihrer Sprösslinge.

Ob man seinen Kindern dem Umgang mit solchen Spielwaren erlauben will oder nicht, bleibt jedem Elternteil selbst überlassen. Dabei ist es heute wichtiger denn je sich angesichts des Dschungel aller schillernden Innovationen der Spielzeugindustrie nicht in diesem zu verlieren und dabei sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen zu übersehen. Kinder müssen vor Gefahren geschützt werden, vor allem wenn sie sich dieser (noch) nicht bewusst sind.

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