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Universitäten Text: Dr. Heinrich Schmidinger

Universitätsjubiläen im Schatten von Budgetzwängen

Univ.-Prof. Dr. Heinrich Schmidinger ist Präsident der österreichischen Universitätenkonferenz und Rektor der Universität Salzburg. Ein Statement zur derzeitgen Uni-Finanzsituation.

Prof. Dr. Heinrich Schmidinger

Österreichs Universitätslandschaft steht heuer im Zeichen von drei großen Jubiläen: Die Universität Wien ist seit ihrer Gründung 650 Jahre, die Veterinärmedizinische Universität in Wien 250 Jahre, die Technische Universität Wien 200 Jahre alt. Ich hatte schon mehrfach die Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass diese Jubiläen für alle österreichischen Universitäten von besonderer, gleichsam symbolhafter Bedeutung sind. Jubiläumsjahre sind allerdings nicht so sehr dafür da, die großen Vergangenheiten zu beschwören, sondern in die Zukunft zu blicken.

Es geht um jene Themen, deren Behandlung die österreichischen Universitäten zusammen strategiefähiger machen könnte; es geht um Positionen, die wir innerhalb der rasanten globalen Veränderungsprozesse auf dem Wissenschafts- und Forschungssektor, wie sie etwa „Science 2.0“ reflektiert, finden müssen, um erfolgreich bestehen zu können. Es geht auch um die Balance zwischen Kooperation und Wettbewerb der heimischen Universitäten und ihrer finanziellen Ausstattung vor dem Hintergrund ständig neuer Hiobsbotschaften und daraus resultierender Sachzwänge für den Bundeshaushalt.

Die Sicherstellung des Budgets für die Leistungsvereinbarungsperiode 2016 bis 2018, die zwischen Finanzministerium einerseits und dem Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft andererseits zu vereinbaren war, hat die Agenda der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko) schon im Vorjahr bestimmt und wird diese – mit dem Start der Verhandlungen im Frühjahr – auch 2015 dominieren. 

615 Mio € mehr für die Universitäten

Die erfolgte Zusage der zusätzlichen 615 Millionen Euro für den genannten Zeitraum in der ernsten finanziellen Situation, wie sie für die Republik Österreich mittlerweile eingetreten ist, wurde nur mittels eines politischen Kraftakts des zuständigen Ministers und Vizekanzlers Reinhold Mitterlehner ermöglicht. Wie sich zuletzt herausstellte, war dieser Betrag freilich nur unter Zugeständnissen zu haben. Das Geld, das die Universitäten ausschließlich brauchen würden, um die prognostizierbaren Kostensteigerungen zu parieren und den Betrieb fortzusetzen, muss plötzlich auch für andere Zwecke herhalten und ist nur unter Erfüllung struktureller Vorgaben zu lukrieren. Das erschwert die Lage erneut. Daran ändert die Ansage, durch budgetäre Umschichtungen abfedern zu wollen, kaum etwas. Unterm Strich bleibt es vermutlich beim Gehabten – mit den bekannten Konsequenzen, die daraus für die Aufstellung der Universitäten resultieren.

Somit ändert sich auch wenig an der schon oft geäußerten Diagnose: Spitzenplätze in der Welt werden die österreichischen Universitäten erst erreichen, wenn sich eine breite politische Entschlossenheit dafür einstellt, diese wie die Gewinner der internationalen Rankings auszustatten. In einem der reichsten Länder der Welt ist dies weniger eine Frage des Könnens als des Wollens.

Univ.-Prof. Dr. Heinrich Schmidinger studierte von 1972 bis 1980 Theologie und Philosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. 1984 habilitierte er sich an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck für das Fach Christliche Philosophie. Seit 1993 ist Schmidinger Professor am Fachbereich Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg, zu deren Dekan er 1995 gewählt wurde. Im Jahr 1999 wurde Schmidinger Vizerektor für Ressourcen und Stellvertreter des damaligen Rektors Adolf Haslinger, zu dessen Nachfolger er im Jahr 2001 bestellt wurde. Seit 2011 ist er Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz.

>> Mehr Stimmen und Statements zur Lage der Universitäten

>> Österreichs Universitäten im Überblick

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