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Universitäten Text: Dr. Martin Gerzabek

Effizienzsteigerung für BOKU schwierig

BOKU-Rektor Dr. Martin Gerzabek antwortet auf die geforderte 3 %ige Effizienzsteigung bis 2018, festgelegt in der neuen Leistungsvereinbarung der Universitäten mit dem Bund. Effizienz gerne, aber wo und wie und vorallem mit welchen Konsequenzen -> Ein offizeilles Statement von Seiten der Universität für Bodenkultur Wien:

Martin Gerzabek und Ansicht von BOKU Wien
Rektor Univ.-Prof. Dr. Martin Gerzabek - BOKU Wien

Wer ist nicht schon gerne effizient? Neue Medien und Kommunikationstechnologien machen möglich, was vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar war. Der Einzelne und ganze Institutionen konnten ihre Wirksamkeit und Produktivität dadurch deutlich steigern, knapper werdende Ressourcen führen zu weiteren Bemühungen zur Effizienzsteigerung, also zur Verbesserung der Kosten-Nutzen Relationen.

Im Zuge der Vorbereitung zu den neuen Leistungsvereinbarungen der Universitäten (2016-2018) wurde den Universitäten eine Effizienzsteigerung von 3% oder 300 Millionen € aufgetragen. Damit würden dann letztlich nicht nur die zusätzlich 615 Mio € für die kommende Leistungsvereinbarungsperiode für Kostensteigerungen und neue Projekte zur Verfügung stehen, sondern weitere 300 Mio € die aus Effizienzmaßnahmen zur Verfügung stehen würden. Zusammengerechnet über 900 Mio €(?!). Wer könnte dem Begehr nach mehr Effizienz etwas prinzipiell entgegenhalten? Es ist ja auch so, dass in einer Organisation immer etwas verbessert werden kann – auch in einer schon sehr effizienten.

Was bedeutet diese geforderte Effizienzsteigerung konkret für die Universität für Bodenkultur Wien – und analog für etliche Universitäten Österreichs?

Die BOKU hat seit 2003 ein enormes Wachstum hinter sich gebracht. Bis 2013 stiegen die Studierendenzahlen von ca. 4600 um 160% (also auf 260%) auf ca. 12.000 und die Projektmittel und somit die extern finanzierte Forschung um 120%. Im gleichen Zeitraum stieg das aus Bundesmitteln finanzierte Personal um 7% und die Raumressourcen um 19%. In einem Fünfjahresvergleich (2004-2008 versus 2009-2013) sind sowohl die Anzahl der Studierenden als auch das Volumen der Drittmittel um rd. 51%, die Bundesmittel aber lediglich um 30% gestiegen. Gleichzeitig konnte sich die BOKU in den relevanten Universitätsrankings signifikant verbessern.

Durch große Anstrengungen in den vergangenen Jahren, die Berufung von frei werdenden Professuren voran zu treiben, den Einsatz von zusätzlichem Lehrpersonal zu ermöglichen und durch Schaffung zusätzlicher Raumressourcen sowie der Mehrfachabhaltung von Lehrveranstaltungen konnte erreicht werden, dass der Lehr- und Forschungsbetrieb bis dato nicht nur aufrecht erhalten, sondern sogar wesentlich weiter entwickelt werden konnte. Allerdings war und ist dies nur durch das außergewöhnliche Engagement aller Bediensteten der Universität möglich. Das Verhältnis des Anstieges an zu unterrichtenden Studierenden, der Anzahl der AbsolventInnen und des Forschungsoutput zum zur Verfügung stehenden Budget zeigt, dass die BOKU Effizienzraten weit über 3% in den vergangen Jahren erbrachte.

Für die Zukunft sind die Prognosen eindeutig, erwarten wir doch weitere signifikante Steigerungen der Studierendenzahlen. Ein gemeinsam mit Arthur D. Little an der BOKU durchgeführtes Projekt zur Universitätsverwaltung zeigte, dass es in diesem Bereich heute praktisch kein Potenzial mehr zur Effizienzsteigerung gibt, sondern, dass zur aufrecht Erhaltung des Betriebes mehr Personal nötig sein wird.

In dieser Situation ist es für die BOKU äußerst schwierig die ca. 3%ige Effizienzsteigerung ohne massives Sparprogramm zu heben.

Wo soll aber gespart werden?

  • Bei einer kleinen Universität wirken sich z.B. nicht-Nachbesetzungen von Professuren bald dramatisch aus, da die Professuren üblicherweise in mehreren Curricula eingebunden sind.
  • Auflassung von Studienprogrammen? Nun, das Studienangebot der BOKU ist (und war) immer den gesellschaftlichen Bedürfnissen sehr nahe. Aktuelle AbsolventInnenstudien zeigen, dass die BOKU AbgängerInnen am Arbeitsmarkt sehr gut ankommen. Einsparungen durch Einstellungen von Studienprogrammen führen erst nach Jahren zu konkreten Einsparungen, die volkswirtschaftliche Sinnhaftigkeit einer solchen Maßnahme bezweifle ich darüber hinaus.
  • Effizienzgewinne aus der Betriebsführung der BOKU? Gerade hier hat die Universität in den vergangenen Jahren sehr viel getan, um Effizienzgewinne einzufahren. Vergleiche mit Universitäten im deutschsprachigen Ausland zeigen, dass die Österreichischen Unis im Durchschnitt ohnedies sehr effizient sind (bzw. sogar messbar effizienter).

Fazit
Die Effizienzsteigerungen werden die Entwicklung der BOKU bzw. der Österreichischen Universitäten nicht (kaum) unterstützen und sehr schwer umsetzbar, bzw. sogar kontraproduktiv sein. Klare Finanzierungsspielregeln, wie etwa die Studienplatzfinanzierung und ein längerfristiger Budgetpfad sind die Ingredienzien für eine erfolgreiche Entwicklung der Österreichischen Universitäten zum Wohle des Landes, der europäischen und der globalen Entwicklung.

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Dr.h.c.mult. Martin Gerzabek ist seit 2010 Rektor der Universität für Bodenkultur Wien. Er ist Universitätsprofessor für Umwelttoxikologie und Isotopenanwendung, Institut für Bodenforschung, BOKU. Träger zahlreichen Ehrendoktortitel unter anderem der Czech University of Life Sciences, Prague. Diverse Funktionen und Mitgliedschaften in namhaften wissenschaftlichen Gesellschaften wie Forum Alpbach, BIO Sience Austria oder Ökosoziales Forum. Herausgeber und Fachbeirat bei vielzähligen wissenschaftlichen Publikationen und Gutachter für Habilitationen sowie kontinuierliche Präsenz bei themenspezifischen wissenschaftlichen Veranstaltungen und Kongressen.

>> Mehr Statements und Stimmen zur Lage der Universitäten

>> Österreichs Universitäten im Überblick

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