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Uni und FH

Videokameras verfolgen Bankräuber

Informationen über Videokameras, die Bankräuber erkennen können.

Automatische Erkennung

In einem neuen Forschungsprojekt der Technischen Universität (TU) Wien beschäftigen sich WissenschafterInnen mit der automatischen Erkennung von auffälligem Personenverhalten in Banken. Eine Kombination aus Videokameras und spezieller Software soll Bankräubern und Vandalen künftig das Handwerk legen.

Martin Kampel, Leiter des Projekts "Computerunterstützte Videoüberwachung in Bankfilialen", erklärt: "Die Idee ist auf Basis einer technischen Machbarkeitsstudie eine Software zu entwickeln. Sie soll es schaffen Bildfolgen zu analysieren um Ereignisse automatisch zu erkennen. Dazu benötigen wir eine Videokamera, die im Bankfoyer installiert ist und einen Computer, der die Daten auswertet. Das Überwachungssystem soll in der Lage sein, drei Schritte automatisch durchzuführen": Es muss erkennen ob und was sich im Bild bewegt (Bewegungserkennung). Hat es ein bewegtes Objekt identifiziert, wird es im Überwachungsvideo verfolgt - in der Fachsprache bezeichnet man dies als "Object Tracking". Im dritten Schritt wird mit Hilfe von Algorithmen die aufgenommene Szene automatisch interpretiert um untypisches Personenverhalten zu erkennen.

"Hier stoßen wir an Grenzen," betont Kampel. Am Beispiel einer Bankomatssprengung müsste das Überwachungssystem jene Personen herausfiltern, die sich statistisch gesehen überdurchschnittlich lange im Foyer aufhalten oder keine Transaktionen an den Automaten durchführen. Dies wäre eine Definition für auffälliges Verhalten im Vergleich zu „richtigen“ Bankkunden, die Kontoauszüge drucken, Geld beheben und das Foyer wieder verlassen. Was passiert aber, wenn sich beispielsweise Kinder in der Bankfiliale aufhalten? Das System sollte erkennen, dass sie sich "untypisch" benehmen, für die Bank jedoch keine Sicherheitsbedenken darstellen.

"Verhalten zu definieren und mathematisch zu modellieren ist ein sehr komplexes Vorhaben. Sicherheitsexperten liefern uns eine Beschreibung der verhaltensauffälligen Muster. Das Überwachungssystem kann beispielsweise feststellen, dass sich 95 % der Kunden immer an den gleichen Orten innerhalb einer Bank aufhalten," sagt Kampel weiter. Schwierig sei es aber einen Schatten von einer richtigen Person zu unterscheiden. Starke Lichtschwankungen, Reflexionen oder schwache Kontraste geben den WissenschafterInnen ebenfalls noch Aufgaben auf. Ziel der Forschung ist es eine allgemeine Methode zu finden, die auf viele Szenarien anwendbar ist. Filtert die Kamera auffälliges Personenverhalten, wäre es denkbar diese Informationen direkt mit einer Sicherheitszentrale zu verlinken. Im Falle einer verhaltensauffälligen Person während der Bankbetriebszeiten könnte ein Signal an das Display eines Mitarbeiters gesendet werden. Ein rascher Blick von ihm würde genügen um sich zu vergewissern ob der Ernstfall eingetreten ist und wie man reagieren kann.

Nachdem ein solches Überwachungssystem in einer Wiener Bankfiliale bereits getestet wurde, denken Martin Kampel und sein Projektteam an den Bau eines Prototyps. Kampel: "Die Entwicklung geht dabei aber ausschließlich in Richtung Software. Wir müssen zwar wissen, wie die Überwachungsbilder in der Kamera entstehen, beschäftigen uns aber nicht mit der Entwicklung neuer Kameratechnologien."

Auch ein Ausbau des Projekts unter dem Schlagwort „Intelligente Abspeicherung“ ist am Institut für Rechnergestützte Automation vorgesehen. Um die Fahndung nach Bankräubern zu beschleunigen, sollen Videokameras nach dem gleichen Prinzip in Zukunft nur mehr „verdächtiges“ Material aufzeichnen. Durch die stundenlange Durchsicht der Bänder wird wertvolle Zeit bei der Suche nach flüchtigen Bankräubern verloren. Mit Hilfe der neuen Technologie, könnte man auch hier eine effizientere Strategie finden.

Kampel liegt vor allem der kritische Einsatz der Videokameras am Herzen. "Die Privatsphäre und die individuellen Bedürfnisse von Personen müssen in jedem Fall gewahrt werden," betont der Forscher. Die Finanzierung des Projektes, dass Ende Oktober diesen Jahres verlängert wurde, erfolgt durch das Unternehmen Ing. Johann Schiessel Elektronik + Computertechnik; 1090 Wien.

Text: TU Wien

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