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Uni und FH

Studentendemo

Fast ein Jahr nachdem das Audimax, der größte Hörsaal der Uni Wien, besetzt wurde, endete die große Studentendemo wieder mit der Besetzung des Audimax.

 

UNI DEMO 2010

Fast ein Jahr nachdem das Audimax, der größte Hörsaal der Uni Wien, besetzt wurde, endete die große Unidemo wieder mit der Besetzung des Audimax. Die Fronten, die Forderungen und die Fakten, finden Sie hier

Eine, seit Monaten, aufgeheizte Stimmung ist explodiert: Nachdem tausende Teilnehmer sich friedlich der Demonstration widmeten, endete die Demonstration mit der Besetzung des Audimax der Uni Wien. Pikantes Detail: Die Besetzung war dabei fast genau ein Jahr (22. Oktober 2009) nach der ersten Besetzung des Audimax passiert.
 

Die Fronten

Studenten, Rektoren, Fachhochschulen, sowie, an den Universitäten arbeitendes Personal, schlossen sich zur größten Unidemo seit langem zusammen. Auf der anderen Seite, so die Protestierenden, stehen die große Regierung sowie Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP). Letztere verwies kurz vor der Unidemo darauf, dass sie die Ängste zwar verstehe aber "nur mit Geld allein kann man Qualität nicht sicherstellen". Schließlich eskalierte die, bis dahin friedliche, Unidemo in der Besetzung des Audimax. Der Hörsaal wurde gewaltsam geöffnet und sofort eine Infrastruktur geschaffen.

Perfekte Infrastruktur der Besetzung

War es am 22.Oktober 2009 noch eine spontane Aktion, die zur größten Unidemo und Besetzung des Audimax führte, so war es diesmal organisiert. Innerhalb der ersten Stunden, nach der eigentlichen Unidemo, entstand die Infrastruktur: Ein Plenum, Arbeitsgruppen, Putztrupps, eine Presseabteilung, sowie die "Volkxküche" die für jedermann Essen zubereitet. Sofort wurden Sympathisanten via Twitter und Facebook auf die "erweiterte" Unidemo aufmerksam gemacht; letztes Jahr entzündete die Besetzung sogar eine Welle weiterer Besetzungen in anderen Bundesländern.
 

Schnelles Ende der Besetzung

Die Besetzung, in der die Unidemo mündete, hatte allerdings nur kurzzeitig Erfolg. Bereits am nächsten Morgen (20.10/ 8:00 Uhr) wurden die Demonstranten mittels Polizei hinausbegleitet. Die Organisatoren wurden dabei auch bei der Polizei angezeigt. Dies dürfte allerdings nicht die letzte Offensive der Studenten, Rektoren und FHs sein, sowie die letzte Unidemo. Der nächste bildungspolitisch-relevante Termin, dürfte dann der 22. November sein, wenn sich die Rektoren der Universitäten mit den politischen Vertretern, allen voran Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP)treffen. Ob es weitere Unidemos geben wird, entscheidet sich spätestens dann...

Text: Kajetan
 

DAS WAR DIE DEMO 2009

Studenten demo

Ein offener Situationsbericht über die stetigen Verschlechterungen und den aktuellen Zustand der Universitäten, Studierenden und Professoren.

Die Studentendemo war der bisherige Höhepunkt der Protestbewegung. 50.000 Sympathisanten haben gezeigt, dass die Umstände nicht erträglich sind und dass eine Studentendemo schnell und zu Recht organisiert werden kann...

 

Begonnen hat diese Situation durch die Einführung des UG 2002 - in diesem
Gesetz wurde die demokratische Mitbestimmung der diversen Gremien - sprich
Professorenkurie, Mittelbau, allgemeine Universitätsbedienstete und Studierendenvertreter aufs massivste beschnitten. Die Entscheidungsvollmacht an den einzelnen Universitäten wurde durch Einführung eines Universitätsrates kontrolliert (davor hatte jede Uni die Möglichkeit, die Größe des Unirates selbst zu bestimmen). Die Entsendung erfolgte über die Parteien, das BMBWK (damals heute BMWF) und die Uni selbst. Dieser Unirat (der sich selbst seine Gagen gibt!!!!) kann für manche Unis horrend sein, denn er bestimmt über alles: Anschaffungen, Personal, Bilanz, Gebäude etc.
Durch die Ausgliederung der Universitäten mit dem UG 2002 wurden die Unis
sozusagen in die Privatwirtschaft gedrängt - sind jedoch budgetär
abhängig vom Ministerium
– d.h. es werden pro Uni Leistungsvereinbarungen mit dem BM getroffen und anhand dieser wird ihnen ein dreijähriges Budget zur Verfügung gestellt. Dies ist natürlich viel zu gering, da die Universitäten
durch die Ausgliederung pro Gebäude pro m2 Miete an die BIG bezahlen muss
und hier ist die Miete davon abhängig ob es sich um ein Altgebäude oder Neugebäude handelt (bei schönen, in der Altstadt gelegenen, Gebäuden zahlt die Uni auf alle Fälle eine stolze Summe).

Ein Teil des Budget konnte durch die Studiengebühren finanziert werden, die
damals ebenfalls sehr kostenaufwendig eingeführt wurden. Durch die
Abschaffung der Studiengebühren fehlt den Unis ein großer Budgetposten und
durch den freien Hochschulzugang werden gerade die österreichischen Unis
überschwemmt von deutschen Studierenden
, die in Deutschland den Numerus
Clausus haben - alleine die Kommunikationswissenschaften haben einen
massiven Zustrom, aber auch die Psychologen usw.
Bis 1.10.2009 hatte die Uni - sprich die Rektoren - zumindest noch ein
bisserl Hoheitsgewalt, indem sie bestimmte Entscheidungen selbst treffen
konnten; durch die Novelle, die mit 1.10.2009 in Kraft trat, wurde ihnen
auch diese entzogen - sprich die Rektoren verhandeln zurzeit mit dem BMWF
die Leistungsvereinbarungen
, d.h. die einzelnen Institute, Fachbereiche,
Abteilungen etc. Jede Universität hat durch das UG 2002 mittlerweile ein nicht mehr einheitliches Bild, sondern gestaltet sich also selbst. Es müssen
Zielvereinbarungen getroffen werden, welche dann in die Leistungsvereinbarungen (das sind meist Konvolute von ca. 100 Seiten) einfließen - und dann muss das Rektorat sich die Leistungsvereinbarungen beim Unirat genehmigen lassen...dann wird erst mit dem Ministerium verhandelt.

...weshalb die Studentendemo? Deshalb:

Durch die Abschaffung der Studiengebühren hat jede Uni einen großen Brocken an Finanzen verloren - die so wiederum irgendwie vom Ministerium wieder "reinverhandelt" werden müssen. Dies kann jedoch nicht gelingen, denn weiters wurde das Dienstrecht komplett verändert, für jene Personen, die vor dem 1.1.2004 im Bundesdienst waren (sprich Beamte) und Vertragsbedienstete gilt nach wie vor das 'BDG und das VBG mit Optionsmöglichkeit(!?) in den Kollektivvertrag. Dieser Kollektivvertrag ist aber für die KollegInnen, die nach dem 1.1.2004 an den Unis beschäftigt wurden, zwischen dem Dachverband (Vertreter der Arbeitsgeberseite - meist Arbeitsrechtler bzw. Rektoren der Unis) und Vertretern der GÖD ausverhandelt und trat mit 1.10.2009 nach sehr zähen Verhandlungen in Kraft. Dies bedeutet, dass auch hier den Unis das Geld fehlt, sie es jedoch nicht ersetzt kriegen und einsparen müssen - das Einsparen ist natürlich darauf abgelegt, dass Personal eingespart werden muss. In weiterer Folge wird es an Lehrenden fehlen und für die Studierenden eine wesentlich schlechtere Ausbildung geben - diese ganze Misere geht von der Industriellenvereinigung aus, die sich in die Bildung einmischt, denn früher war die Wissenschaft und Forschung frei und tatsächlich auf die Forschungsergebnisse ausgerichtet! Heute wird sie verwirtschaftlicht - sprich Orchideenfächer sollen ausgerottet werden und alles nur mehr in die Wirtschaft fließen - a la Amerika, wo z.B. die Geisteswissenschaften komplett ruiniert wurden und erst jetzt ersichtlich ist, dass die Jugendlichen keinen geisteswissenschaftlichen Hintergrund mehr haben und jetzt wieder viel Geld investiert werden muss um diese Ausbildung - die ja auch eine menschliche Komponente ausmacht - wieder zu ermöglichen. Die Unis wurden durch den Bologna-Prozess noch zusätzlich verschult, d.h. die Studierenden haben keine Möglichkeiten mehr, sich ihr Studium so einzuteilen, dass sie auch nach Interessen studieren können, sondern sie müssen nach ECTS-Punkten studieren - heißt natürlich, dass sie bestimmte Kernfächer absolvieren müssen, die jedoch von Uni zu Uni unterschiedlich bewertet sind - also ist auch die so angestrengte Mobilität von Studierenden massiv eingeschränkt. Die Studierenden haben so gut wie keine Möglichkeiten mehr, sich nach ihren Forschungsinteressen auszurichten, sondern nur ihr Studium herunter zu biegen um dann am Arbeitsmarkt irgendwie unterzukommen.

Die Studentendemo ist somit eine Reaktion auf jahrelange Beschneidung von Mitteln und Autonomie der Lehrkräfte, Universitäten und auch der Studierenden selbst. Warum die Studentendemo nicht die letzte gewesen sein könnte, erfahren sie im zweiten Teil: die uni brennt!

Um weiter zu lesen klicken sie bitte hier: die uni brennt

weitere Artikel zum Thema Studentendemo: Die letzte Studentendemonstration (Do, 05.11.09)

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