1. Stadt Wien
  2. Bildung
Mehr Bildung
Artikel teilen
Kommentieren
Bildung

Lebenslauf schreiben

Von wegen entspanntes Studentenleben: noch während des Studiums optimieren und polieren Studenten ihren Lebenslauf für den Berufseinstieg. Aber welche Anforderungen erwarten sie auf dem heutigen Arbeitsmarkt?

Bunte Grafik mit semantischen Begriffen rund um Curriculum Vitae
© Web Buttons Inc/ Dollarphotoclub | Bei der Bewerbung zählt der Lebenslauf, der mit viel Erfahrung in Praxis und Soft Skills angereichert sein sollte.

Die Zeiten, in denen Studenten endlos vor sich hin studierten und es kaum eilig hatten ins Berufsleben zu starten, scheinen durch die Bologna-Reform der Vergangenheit anzugehören. Um dem wachsenden Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden, arbeiten Studenten schon früh auf ihre Karriere hin. Jedes biografische Detail wird daraufhin geprüft, ob es dazu taugt, den Lebenslauf aufzupolieren. Doch mit welchen Anforderungen sind Studierende heute wirklich konfrontiert?

Harte Schale, innen Soft Skills

In der modernen Dienstleistungsgesellschaft sind die Organisationsstrukturen der Unternehmen immer flexibler geworden. Klassische Hierarchien und strenge Arbeitsabläufe nehmen ab, stattdessen  werden Teams projektabhängig immer neu zusammengestellt und Zuständigkeiten neu zugewiesen.  Für Arbeitsnehmer werden dementsprechend die viel strapazierten Soft Skills immer mehr zur Kernkompetenz. Also jene charakterlichen Qualitäten, die über die fachliche Qualifikation hinausgehen: Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, Flexibilität und Organisationstalent. Aber auch Kritikfähigkeit und Konfliktlösungspotential gehören unverzichtbar zum Profil erfolgreicher Berufseinsteiger. Das Problem: Soft Skills entwickeln sich durch berufliche Erfahrung, werden aber heute oft wie selbstverständlich schon bei Studenten vorausgesetzt.  Nicht nur deshalb sind Praktika mittlerweile nahezu unverzichtbar geworden.

Praktika für die Praktiker

Ohne Praktikum geht heute fast nichts mehr. In vielen Studiengängen sind die Schnupperkurse ins Berufsleben bereits als Studienleistung integriert, so dass man ohnehin nicht darum herumkommt. Aber auch über die Mindestanforderung hinaus den geschützten Rahmen des Studiums zu nutzen, um sich beruflich zu orientieren, ist mehr als sinnvoll. Praktika machen sich gut im Lebenslauf und gelten als Ausweis von Engagement und Interesse, in vielen Branchen sind sie zudem ein wertvoller Türöffner, der vergleichsweise leicht zu bekommen, aber nur schwer zu ersetzen ist. Dennoch sollte man es mit der Fleißarbeit nicht übertreiben – gerade gegen Ende des Studiums gilt es, die Vorteile abzuwägen und sich nicht unter Wert zu verkaufen. Von Praktikumsstellen, die keinen Ausbildungswert haben sondern lediglich niedrigschwellige Arbeiten outsourcen, ist generell Abstand zu halten.

Können Sie Internet?

Neben gute ausgeprägten Soft Skills und erster Praxiserfahrung können zusätzliche Kenntnisse und Fertigkeiten oft entscheidend sein. Neben berufsspezifischen Zusatzqualifikationen gelten gute EDV- und Sprachkenntnisse oft als Grundvoraussetzung. Medien- und Methodenkompetenzen sind gefragt. Sicher muss nicht jeder gleich programmieren können, aber der sichere Umgang mit gängigen Datenverarbeitungsprogrammen wie MS Office und der routinierte Umgang mit dem Internet wird von Berufseinsteiger in fast allen Branchen gefordert. Auch der sichere Umgang mit Fremdsprachen (mindestens Englisch)  ist in vielen Bereichen vom gern gesehenen Plus zum unverzichtbaren Muss geworden. Durch die fortschreitende Globalisierung und Vernetzung der Wirtschaft ist zumindest die englische Sprache häufig unabdingbar, nicht nur in der Kommunikation mit internationalen Kunden und Partnern, sondern häufig auch schon in der internen Kommunikation der international aufgestellten Unternehmen.

Exotische Sahnehäubchen

Neben der üblichen Checkliste halten Personaler natürlich immer Ausschau nach dem gewissen Etwas, das sich für die Besetzung als genau das Richtiger erweisen könnte. So ist zum Beispiel ein Auslandsstudium für viele Studenten eine glänzende Idee um ihren Lebenslauf aufzupolieren. Anderen Sprachen und Kulturen kennenzulernen und schon während des Studiums mal über den Tellerrand geschaut zu haben, wird von vielen Arbeitgebern sehr geschätzt. Generell gilt: ungewöhnliche oder gar exotische Erfahrungen müssen im Lebenslauf keinesfalls kaschiert werden. Ehrenamtliches Engagement, eine Leidenschaft für eine bestimmte Sportart oder Ähnliches kann im Gegenteil dazu beitragen, im Bewerbungsgespräch als interessante Persönlichkeit wahrgenommen zu werden, die wertvolle Potentiale in ein Unternehmen einbringen kann.

Kein Stress

Es gibt daher auch keine feste Regeln, was einen perfekten Lebenslauf ausmacht und die optimalen Einstiegschancen bietet. Was zählt, ist letztendlich die ganze Persönlichkeit. Sein Studium schnellstmögliches Durchzuziehen ist daher auch nicht immer das Beste Erfolgsrezept. Es ist durchaus sinnvoll, sich Freiräume und Auszeiten einzuräumen, um eigenen Interessen zu verfolgen und seinen Horizont zu erweitern. Denn auch in der spannenden Übergangsphase zwischen Studium und Berufseinstieg ist vor allem eines gefragt: Motivation und Eigeninitiative. Es kann helfen, Berufseinsteiger-Seminare zu besuchen, um sich die Angst vor diesem Schritt zu nehmen. Viel wichtiger ist es aber, sich darüber im Klaren zu werden, wo man selbst hinmöchte – und sich mit den Unternehmen, bei denen man sich bewirbt, genau auseinanderzusetzen. Inspiration dafür lassen sich gut bei der Jobrecherche in Onlineportalen finden, die ein gutes Gefühl dafür vermitteln können, welche Qualifikationen und Profile in einem bestimmten Beruf gerade gefragt sind. Aber auch Initiativbewerbungen sollte man nicht vorschnell abschreiben, auch wenn die Chancen über diesen Weg rein statistisch gesehen etwas geringer ausfallen. Wenn eine Initiativbewerbung aber ins Schwarze trifft, stellt sie für ein Unternehmen den Idealfall dar – und bringt einen Bewerber in eine äußerst günstige Verhandlungsposition. Denn es geht, das sollte man bei aller Optimierung nicht vergessen – am Ende immer um einen selbst und das, was man erreichen will.

Video
Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

Kommentar hinzufügen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Bildung